Interdisziplinärer Blog für Krisenkommunikation

Bild: Bernd Kasper / pixelio.de

Mein neues Steckenpferd heißt KRISE. Ja, es ist wahrscheinlich nahe liegend, dass man sich in der Mitte des Lebens mit dem Thema Krise beschäftigt. Es gibt es in dieser Phase überall Krisen um einen herum: Midlifecrisis, Burnout, Trennungen - alles, was einen Bruch in einer stabilen Situation, eine Unterbrechung oder Wende darstellt. Eigenschaften einer Krise sind nach  Krystek & Lentz, 2013, S. 3c3f.:
  • die Existenzgefährdung durch Gefährdung dominanter Ziele,
  • die Ambivalenz des Ausgangs (Metamorphose(Wandlung) oder Vernichtung),
  • der Prozesscharakter als zeitliche Begrenzung des Krisenprozesses,
  • die Steuerungsproblematik im Sinne einer nur begrenzten Beeinflussbarkeit überlebenskritischer Prozesse und
  • der im Krisenprozess fortschreitende Verlust von Handlungsmöglichkeiten. 
Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass viele Krisen in einer Organisation oder einem Unternehmen auf die Krise eines Menschen zurückzuführen sind. Sei es Betrug, Manipulation, Fehlverhalten oder Missgeschick - der Zugführer war vielleicht mit den Gedanken woanders, als er das Lichtsignal übersah; der Manager wollte doch nur seine Jahresziele erreichen, als er die Zahlen manipulierte; der Erpresser wollte sich selbst endlich mal etwas im Leben leisten können, als er die Nahrungsmittel vergiftete.
Ist es daher nicht sinnvoll, sich der Krise und der Krisenkommunikation auch von der menschlichen Seite zu nähern? Die 'Täter' und Opfer der Krise als Individuen und als Gruppe zu betrachten, im psychologischen und sozialpsychologischen Kontext?
Gleichzeitig existieren wir alle in Gesellschaft - soziologisch betrachtet  werden Krisen durch den Einfluss neuer Kommunikationswege neu verarbeitet und schaffen neue Werte und Normen.
Die Kommunikation wird beeinflusst durch die Bildsprache und durch genderspezifische Herangehensweisen - wobei auch das zu prüfen ist. Reagieren Frauen wirklich anders auf Krisen als Männer? Können Bilder und Videos die Meinung und Einstellung der Massen beeinflussen? Glauben die Massen, was sie sehen?
Das ganze Thema FAKE stellt eine Herausforderung im Kontext der Krise dar: Was ist echt? Wer ist real? Fake News, Realfake Identitäten, Fake Bewertungen sind überall und können Krisen verursachen und beeinflussen. Influencer und Celebreties können selbst Opfer einer Krise werden, sie können aber auch durch Meinungsbildung Einfluss nehmen.

Diese Prozesse gehören alle zu einer Krise, auch wenn es eine Organisation betrifft. Gleichzeitig bieten die sozialen Medien neue, schnelle Möglichkeiten zu kommunizieren, Gruppen durch Hashtags zu bilden und anzusprechen und sowohl Individualkommunikation als auch Massenkommunikation zu betreiben. Die Grenzen zerfließen in Zeiten von Weltpolitik, die auf Twitter betrieben wird. Trump ist ein erschreckendes Phänomen, das Krisen von unabsehbarem Ausmaß erzeugen kann.

Es ist spannend, sich mit diesen Faktoren zu beschäftigen. Wissenschaftlich  bewegt man sich am Puls der Zeit, da es meist noch keine Literatur gibt, nur Aufsätze und Studien. Genau diese Herausforderung haben meine Studierenden und ich als Lehrbeauftragte der Uni Mannheim in diesem Semester angenommen. Die entstandenen Referate und Erkenntnisse werde ich hier nach und nach darstellen. Ich arbeite zudem an einem Buch, in dem ich interdisziplinäre Aspekte der Krisenkommunikation aufarbeite.
Ich freue mich über Anregungen und Kritik! Gern an besson@pr-evaluation.de

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